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Randolph Esser

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19:47 Uhr, 04.01.2026

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Hallo,

hier ist ja nix los im Schülerforum,
und daher nun eine selbstersonnene Aufgabe:

Der Dieb Ede geht jede Nacht auf Raubzug.
Sicher erbeutet er dabei jedes Mal 100 Euro,
jedoch nie 200 oder mehr Euro.

Genauer ist 200-g für 100g<200 seine Chance (als Prozent),
wenigstens g Euro zu erbeuten,
formal als Funktion p1:

p1:[100,200)(0,100],g200-g.

Also ist z.B.   p1(120)=200-120=80  % Edes Chance,
wenigstens 120 Euro zu erbeuten,
und p1(170)=200-170=30  % seine Chance,
wenigstens 170 Euro zu erbeuten, usw...

Ein Graph ist angehängt.

Und nun die Aufgabe:
Entwickle eine Funktion
p2:[200,400)(0,100],g ???,
sodass p2(g) für 200g<400 Edes Chance (als Prozent) ist,
in zwei Raubzügen wenigstens g Euro zu erbeuten.
Zeichne auch den Graphen.

Bem.: Bei der Beute tun wir einfach so,
als ob es jeden Betrag innerhalb der jeweiligen Intervalle gäbe,
also auch z.B. 117,532 Euro [100,200).
Also die Euros einfach wie reelle Zahlen handhaben...

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Hierzu passend bei OnlineMathe:
Funktion (Mathematischer Grundbegriff)

Online-Übungen (Übungsaufgaben) bei unterricht.de:
 
Online-Nachhilfe in Mathematik
Antwort
HAL9000

HAL9000

15:07 Uhr, 05.01.2026

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Als Stochastiker würde ich es einfacher so formulieren: Der zufällige Beutewert eines Raubzuges ist gleichmäßig stetig verteilt auf dem Intervall [100,200].

Es geht dann in der Aufgabe um die Beutesumme zweier Raubsumme, deren Verteilung als Faltung zweier identischer Gleichverteilungen ist bekanntlich eine symmetrische Dreiecksverteilung auf [200,400], in Formeln für deine Prozente:

p2(g)=100-(g-200)2200 für 200g<300,
p2(g)=(400-g)2200 für 300g<400.

Randolph Esser

Randolph Esser aktiv_icon

15:48 Uhr, 05.01.2026

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Hallo HAL,

Danke für Deine Antwort.
Die Frage ist somit beantwortet.
Ich habe heute morgen selber ein wenig experimentiert
und bin dabei auch auf eine Fallunterscheidung
und sogar auch ähnliche Terme wie bei Dir
gekommen, allerdings nicht auf das Ergebnis
oder überhaupt nur irgendwas Brauchbares.
Hier drunter meine Rechnerei
ohne den Anspruch, von irgendjemandem
ernst genommen zu werden.
Stochastik wartet noch auf mich in meinem
Studium, dann werde ich das alles wohl auch
lernen. Im Moment ist bei mir Algebra angesagt...

Also, hier mein Schrott:

Mein Ansatz:

p2:[200,400)(0,100],glimksk(g)

mit sk(g):=l=0k-1uk(g)ok(g)   (für k1),

uk(g):=p1(a-b+l2bk)-p1(a-b+(l+1)2bk),

ok(g):=p1(a+b-(l+1)2bk)-p1(a+b-l2bk),

a:=g2,

b:=a-100, falls a150 oder b:=200-a, falls a>150.

Auspacken, zusammenfassen...

uk(g):=p1(100+lg-200k)-p1(100+(l+1)g-200k),

ok(g):=p1(g-100-(l+1)g-200k)-p1(g-100-lg-200k),


uk(g):=p1(g-200+l400-gk)-p1(g-200+(l+1)400-gk),

ok(g):=p1(200-(l+1)400-gk)-p1(200-l400-gk).

Dann die Enttäuschung

p2:[200,400)(0,100],glimksk(g)

mit sk(g):=l=0k-1(g-200k)2=(g-200)2k, falls g300

sk(g):=l=0k-1(400-gk)2=(400-g)2k, falls g>300

was mit k gegen Null geht, also nix taugt...

Frage beantwortet
Randolph Esser

Randolph Esser aktiv_icon

21:44 Uhr, 05.01.2026

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Hier noch der Graph
von HALs Lösung als Zweiteiler.
Ein sigmoider Graph, wenn
man ihn zusammensetzt.
Ist schon interessant,
z.B., dass p2 nicht wieder
wie p1 einfach linear ist,
was man naiv vermuten könnte.
Stochastik kommt auf jeden Fall
nochmal auf meinen mathematischen
Speiseplan...

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Antwort
HAL9000

HAL9000

08:18 Uhr, 06.01.2026

Antworten
> Ist schon interessant, z.B., dass p2 nicht wieder wie p1 einfach linear ist

Nun ja, letzteres stimmt genau genommen nicht: p1 ist stückweise (!) linear, denn man darf ja p1(g)=100 für g<100 sowie p1(g)=0 für g200 nicht vergessen! Diese intervallweise Stückelung setzt sich dann für die Faltung

pk(g)=-1100-p1ʹ(t)pk-1(g-t)dt=1100100200pk-1(g-t)dt

für k=2,3, fort, mit genau k+2 Teilintervallen (die beiden äußeren dabei mit Wert 100 bzw. 0).


P.S.: Faktor 1100 kommt übrigens rein, weil du mit Prozenten statt Wahrscheinlichkeiten operierst.

Frage beantwortet
Randolph Esser

Randolph Esser aktiv_icon

11:05 Uhr, 06.01.2026

Antworten
Aaah, vielen Dank für das Rezept.

Man braucht also p1 auf ganz ,

das hatte ich nicht auf dem Schirm,

ich habe mich oben nur auf [100,200) bezogen.

Ich wende die Formel mal an:

p2(g)=1100100200p1(g-t)dt

=-1100g-100g-200p1(z)dz

=1100g-200g-100p1(z)dz

=1100g-200g-100p1(z)dz

=1100(g-200100100dz+100g-100(200-z)dz)

=100-(g-200)2200, falls 200g300

bzw.

=1100g-200200(200-z)dz

=(400-g)2200, falls 300<g400.

Supercool, Danke !
Antwort
HAL9000

HAL9000

13:19 Uhr, 06.01.2026

Antworten
Formel pk(g)=-1100-p1ʹ(t)pk-1(g-t)dt=1100100200pk-1(g-t)dt gilt übrigens für alle absolutstetigen Beuteverteilungen p1, d.h., gefordert wird lediglich

1) p1 monoton fallend,
2) limt-p1(t)=100 und limtp1(t)=0,
3) p1 stetig,
4) p1 ist fast überall differenzierbar.

1) und 2) gelten automatisch ausgehend von der inhaltlichen Bedeutung, dass p1(t) die Chance auf einen Gewinn t bedeuten soll.

Hinreichend für 4) ist beispielsweise, dass es auf jedem endlichen Intervall nur endlich viele Nichtdifferenzierbarkeitsstellen gibt. In unserem Fall der gleichmäßigen Verteilung hat p1 nur zwei solche Nichtdifferenzierbarkeitsstellen: Bei t=100 sowie t=200.
Frage beantwortet
Randolph Esser

Randolph Esser aktiv_icon

13:40 Uhr, 06.01.2026

Antworten
Stabil, vielen Dank.

Super Exkurs für mich zwischendurch.

Die Theorie dazu knöpf ich mir

auf jeden Fall nochmal vor.

Doch nun ist Algebra angesagt.

Ich hab den Rucksack voll mit Stoff

und in einem Monat ist Klausur...

Antwort
HAL9000

HAL9000

15:12 Uhr, 06.01.2026

Antworten
In der Stochastik arbeitet man eher mit Verteilungsfunktionen: Wenn etwa Sk die zufällige Summe von k solchen Beutezügen ist, dann gilt für deren Verteilungsfunktion FSk folgender Zusammenhang zu deiner mit Prozenten arbeitenden Funktion pk:

FSk(g)=defP(Skg)=1-P(Sk>g)=1-pk(g)100.

Aber widme dich erstmal deiner Algebra. ;-)
Antwort
HAL9000

HAL9000

12:46 Uhr, 07.01.2026

Antworten
Ich fabulier mal noch ein wenig rum, was bei mehr als zwei Summanden passiert:

Dabei betrachte ich unabhängig identisch stetig gleichverteilte Zufallsgrößen Xk auf dem Intervall [0,1] (statt wie bei dir auf [100,200], was man aber anschließend skalieren kann), Ziel ist eine explizite Darstellung der Verteilungsfunktion Fn(x)=P(Snx) der Summe Sn=k=1nXk.

Klar: Fn besteht aus intervallweise Polynomen n-ten Grades, genauer gesagt

Fn(m+t)=k=0nan,m,ktk für m=0,1,,n-1 und 0t1.

Setzt man zusätzlich an,m,k=0 für alle m<0 sowie mn,k1 und zusätzlich an,m,0=1 für mn, dann gilt für n1 die Iteration

Fn(m+t)=01Fn-1(m+t-x)dx=0tFn-1(m+t-x)dx+t1Fn-1(m-1+t+1-x)dx
=0tFn-1(m+y)dy+t1Fn-1(m-1+y)dy=0tk=0n-1an-1,m,kykdy+t1k=0n-1an-1,m-1,kykdy
=k=0n-1an-1,m,kk+1tk+1+k=0n-1an-1,m-1,kk+1(1-tk+1)=k=0n-1an-1,m-1,kk+1+k=1nan-1,m,k-1-an-1,m-1,k-1ktk,

d.h.,

an,m,0=k=1nan-1,m-1,k-1k und an,m,k=an-1,m,k-1-an-1,m-1,k-1k für k1.

Diese Berechnung hab ich mal in Python umgesetzt, und das ergibt dann z.B. jeweils für 0t1

F2(t)=t22,F2(1+t)=1+2t-t22

F3(t)=t36,F3(1+t)=1+3t+3t2-2t36,F3(2+t)=5+3t-3t2+t36

F4(t)=t424,F4(1+t)=1+4t+6t2+4t2-3t424,F4(2+t)=12+16t-8t3+3t424,F4(3+t)=23+4t-6t2+4t3-t424

usw.

Für große n nähert sich Fn(x) gemäß Zentralem Grenzwertsatz immer mehr der Verteilungsfunktion der Normalverteilung N(n2,n12), das ist Φ(x-n2n12).
Randolph Esser

Randolph Esser aktiv_icon

16:57 Uhr, 07.01.2026

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Sehr gut, Danke.
Die Koeffizienten der Polynome kannst
Du ja die HALschen Zahlen nennen
und untersuchen.

Ich behaupte übrigens kühn und ohne Beweis:
Edes Chance, in k Raubzügen wenigstens k150 Euro
zu erbeuten ist konstant 50% für alle k.
Wahr oder falsch ?

Jetzt muss ich aber Algebra lesen.
Ich hinke eine Vorlesung hinterher...

Antwort
HAL9000

HAL9000

18:43 Uhr, 07.01.2026

Antworten
> Edes Chance, in k Raubzügen wenigstens k&sdot;150 Euro zu erbeuten ist konstant 50% für alle k∈ℕ.
> Wahr oder falsch ?

Wahr. Und der Beweis ist nicht schwer, und gilt für jede stetige zu 150 symmetrische Beuteverteilung, also auch für die hier vorliegende gleichmäßige Verteilung auf [100,200].
Frage beantwortet
Randolph Esser

Randolph Esser aktiv_icon

15:33 Uhr, 08.01.2026

Antworten
Haken machen...